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Das Italienische Frühstück

Italien gilt vielen Deutschen als Land der Lebenslust, also auch des guten Essens. Nicht ganz zu Unrecht, die italienische Küche ist reich an Köstlichkeiten. Üppig gegessen wird allerdings vor allem am Abend. Der Italiener frühstückt typischerweise sehr bescheiden. Ein Fixpunkt ist dabei der Kaffee. Die Kargheit des Frühstücks hängt damit zusammen, dass die größte Mahlzeit des Tages das Abendessen ist. Wer abends üppig speist, ist am nächsten Morgen einfach noch nicht besonders hungrig.


La Prima Coalzione: Das erste Frühstück

Unterwegs, im Stehen, in einer Bar: So nimmt ein arbeitender Italiener normalerweise sein erstes Frühstück (prima colazione auf Italienisch) zu sich. Zu Hause zu frühstücken ist eher etwas für Hausfrauen und Schulkinder. Und warum im Stehen? Das liegt daran, dass in den meisten Bars für einen Sitzplatz eine Servicegebühr fällig ist. Sich zu setzen würde das Frühstück also teurer machen.

Ob daheim oder unterwegs: Reichhaltig fällt das erste Frühstück nicht aus. Es besteht aus einem Heißgetränk, üblicherweise einem Kaffee, und einem süßen Stück Backwerk. Der Kaffee kann dabei ein espresso sein, also ein kleiner, schwarzer Kaffee aus einer Espressomaschine, oder zum Frühstück und nur dazu (niemals nach zehn Uhr) auch ein cappuccino, also ein Kaffee mit einer Haube Milchschaum oder ein caffè latte mit viel heißer Milch.

Eine koffeinfreie Alternative ist caffè d’orzo, eine Art Malzkaffee aus Gerste. Ursprünglich galt caffè d’orzo als Kaffeeersatz für Kinder, mittlerweile erfreut er sich aber einer breiten Beliebtheit bei Menschen, die aus Gesundheitsgründen auf Koffein verzichten wollen. Anders als der lösliche Malzkaffee, der in Deutschland beliebt ist, kann caffè d’orzo genauso wie echter Kaffee in Espressomaschinen zubereitet werden.

Zum Heißgetränk wird ein cornetto gegessen, auch brioche genannt. Das ist ein Hörnchen – ähnlich einem Croissant – mit süßer Füllung, meistens Marmelade oder Schokoladencreme. Manchmal sind cornetti mit Puderzucker bestäubt, meistens aber nicht. Eine Alternative wäre pane e marmellate, Marmeladenbrot, manchmal wird auch anderes Süßgebäck (biscotti) verzehrt. Die meisten Zutaten lassen sich heute bereits auch in deutschen Supermärkten finden oder problemlos online bestellen, z.B. hier.

Was auch immer – süß muss es sein! Das deutsche Frühstück mit Schinken, Käse und weichgekochtem Ei ist in Italien unüblich, ein heißes Frühstück nach amerikanischer Art erst recht.

Italienisches Frühstück

Italienisches Frühstück ©iStockphoto/Foxys_forest_manufacture

Das zweite Frühstück in der Arbeit

Bei einem so spärlichen, schnellen Frühstück ist es kein Wunder, dass man in Italien schon am Vormittag wieder hungrig ist. Deshalb gibt es üblicher Weise schon zwischen zehn und elf Uhr vormittags die Frühstückspause, in der das zweite Frühstück gegessen wird. Auch für das zweite Frühstück sind caffè und cornetto eine Option. Wer es abwechslungsreicher mag, verzehrt dazu allerdings tramezzini, belegte Weißbrotscheiben. Als Belag dient dabei häufig eine Scheibe mortadella, die bekannte italienische Wurst. Auch salami oder mozzarella sind beliebt.

Das Frühstück am Wochenende

Ganz anders als das karge Frühstück unter der Woche fällt das italienische Frühstück am Wochenende aus. Da müssen die Italiener nicht zur Arbeit und nehmen sich Zeit dafür, ein ausgedehntes, reichhaltiges Frühstück zu zelebrieren. Gerne werden auch Freunde eingeladen und das gesellige Mahl kann sich bis zur Mittagszeit hinziehen.

Oft wird selbst gebackenes Brot serviert – allerdings kein Graubrot, Schwarzbrot oder Vollkornbrot wie in Deutschland, sondern luftiges, italienisches Weißbrot, zum Beispiel ein leckeres Ciabatta oder Focaccia. Dazu gibt es Schinken und Wurstspezialitäten sowie Käse. Auch Tomaten, gegrillte Paprika und Oliven werden gerne gereicht. Als Beilage ist süßes Obst wie Weintrauben oder Honigmelonen beliebt. Natürlich gibt es zu diesem gemütlichen Frühstück auch caffè in der jeweils bevorzugten Zubereitungsart. Es ist allerdings durchaus üblich, im Laufe des Mahles zu Rotwein zu wechseln. Überhaupt trinken Italiener gerne und oft Rotwein zum Essen – allerdings nur ein paar Schlucke und nicht so viel, dass sie betrunken werden. Vielleicht gibt es sogar noch ein oder zwei Gläschen Grappa, das soll der Verdauung helfen.

Italienischer Flair am heimischen Frühstückstisch

Dass frühstücken in Italien nicht gerade wichtig genommen wird, soll niemanden davon abhalten, sich nach Lust und Laune von italienischen Rezepten inspirieren zu lassen, wenn es um das eigene Frühstück am heimischen Frühstückstisch geht.

Wie wäre es zum Beispiel mit herzhaften Rühreiern nach italienischer Art? Dazu kann man Zwiebel, Knoblauch, Paprika und Tomaten in der Pfanne andünsten. Eier werden mit Salz und Pfeffer und italienischen Kräutern wie Oregano, Thymian und Basilikum gewürzt und mit einer Gabel verrührt. Die Eimasse wird dann über das geschmorte Gemüse gegossen. Anschießend rührt man vorsichtig mit dem Kochlöffel in der Pfanne, bis das Ei gestockt ist. Bloß nicht zu lange am Herd lassen, sonst wird das Rührei zu trocken! Auch in der Abwandlung als Omelette schmeckt dieses Rezept toll.


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