Grappasorten
Grappa gehört zu den bekanntesten Spirituosen Italiens und hat sich längst international einen festen Platz in Bars, Restaurants und privaten Hausbars erobert. Der aromatische Tresterbrand überzeugt durch seine Vielfalt an Geschmacksprofilen und Herstellungsarten. Besonders spannend ist die große Auswahl an Grappasorten, die sich je nach Rebsorte, Herstellungsverfahren und Lagerung deutlich unterscheiden.

Grappasorten ©iStockphoto/mbetz2
In diesem Artikel erfahren Sie alles über die wichtigsten Grappa-Arten, ihre Besonderheiten, Geschmacksprofile sowie Tipps zur Auswahl und zum Genuss.
Was ist Grappa?
Grappa ist ein italienischer Tresterbrand, der aus den festen Rückständen der Weinherstellung – den sogenannten Traubentrestern – destilliert wird. Dazu gehören:
- Traubenschalen
- Kerne
- Fruchtfleischreste
- teilweise auch Stiele
Der Alkoholgehalt liegt meist zwischen 35 und 60 % Vol.. Ursprünglich stammt Grappa aus Norditalien, besonders aus Regionen wie Piemont, Venetien, Trentino-Südtirol und Friaul-Julisch Venetien.
Heute gilt Grappa als geschützte Herkunftsbezeichnung. Nur Tresterbrand, der in Italien oder der italienischen Schweiz hergestellt wird, darf offiziell als Grappa bezeichnet werden.
Die wichtigsten Grappasorten im Überblick
Grappa lässt sich auf verschiedene Arten klassifizieren. Die wichtigsten Kriterien sind:
- Rebsorte
- Lagerung
- Aromatisierung
- Herstellungsart
Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Kategorien von Grappasorten vor.
1. Giovane Grappa – Der junge Klassiker
Der Grappa Giovane (auch Grappa Bianca) ist die ursprünglichste Form dieser Spirituose.
Eigenschaften
- farblos und klar
- nicht im Holzfass gereift
- intensive Traubenaromen
- kräftiger Alkoholcharakter
Da dieser Grappa direkt nach der Destillation abgefüllt wird, bleiben die primären Aromen der Trauben besonders deutlich erhalten.
Geschmacksprofil
Typische Aromen sind:
- frische Trauben
- Zitrusnoten
- Kräuter
- florale Nuancen
Genuss-Tipp
Giovane Grappa wird meist leicht gekühlt bei etwa 10–12 °C serviert und eignet sich hervorragend als Digestif nach dem Essen.
2. Grappa Affinata – Kurz gereifter Grappa
Die Bezeichnung Affinata bedeutet „verfeinert“. Diese Grappasorte wird für eine kurze Zeit im Holzfass gelagert.
Reifezeit
Mindestens 6 Monate Fasslagerung.
Charakteristika
- leicht goldene Farbe
- weichere Alkoholstruktur
- dezente Holznoten
Typische Aromen
- Vanille
- Mandeln
- Honig
- milde Gewürze
Affinata-Grappa gilt als ideale Zwischenstufe zwischen jungem und lange gereiftem Grappa.
3. Grappa Invecchiata – Gereifter Grappa
Der Begriff Invecchiata bedeutet „gealtert“ und beschreibt Grappa, der mindestens ein Jahr im Holzfass reift.
Reifezeit
Mindestens 12 Monate Fasslagerung.
Eigenschaften
- goldene bis bernsteinfarbene Farbe
- komplexeres Aromaprofil
- weicher und runder Geschmack
Typische Aromen
- Karamell
- Vanille
- getrocknete Früchte
- Gewürze
Diese Grappasorte erinnert teilweise an Whisky oder Cognac, bleibt aber durch die Traubenbasis einzigartig.
4. Grappa Riserva oder Stravecchia – Premium-Grappa
Die hochwertigste Kategorie ist der Grappa Riserva, auch Stravecchia genannt.
Reifezeit
Mindestens 18 Monate Fasslagerung.
Besonderheiten
- sehr komplexes Aromaprofil
- besonders weich und harmonisch
- lange Reifung in hochwertigen Holzfässern
Typische Aromen
- dunkle Schokolade
- Tabak
- Gewürze
- Trockenfrüchte
- Vanille
Riserva-Grappa wird meist pur und bei Zimmertemperatur genossen.
5. Monovitigno-Grappa – Grappa aus einer Rebsorte
Eine besonders interessante Kategorie ist der Monovitigno-Grappa. Der Begriff bedeutet, dass der Grappa aus dem Trester einer einzigen Rebsorte hergestellt wird.
Beliebte Beispiele sind Grappa aus:
- Nebbiolo
- Barbera
- Merlot
- Chardonnay
Besonderheiten
Der Geschmack der jeweiligen Traube kommt besonders klar zur Geltung.
- Nebbiolo-Grappa: kräftig und würzig
- Chardonnay-Grappa: elegant und fruchtig
- Merlot-Grappa: weich und rund
Aromatisierter Grappa
Neben den klassischen Varianten gibt es auch aromatisierte Grappas. Dabei werden nach der Destillation Früchte, Kräuter oder Gewürze hinzugefügt.
Beliebte Varianten sind:
- Grappa mit Honig
- Grappa mit Kräutern
- Grappa mit Beeren
- Grappa mit Nüssen
Diese Varianten sind meist etwas milder und besonders bei Einsteigern beliebt.
Wichtige Grappa-Herstellungsregionen
Venetien
Venetien gehört zu den wichtigsten Grappa-Regionen Italiens. Besonders bekannt ist die Stadt Bassano del Grappa, die als historisches Zentrum der Grappaproduktion gilt.
Piemont
Das Piemont ist berühmt für seine hochwertigen Weine. Entsprechend aromatisch ist auch der Trester, der zur Herstellung hochwertiger Grappas verwendet wird.
Trentino-Südtirol
Die alpine Region produziert besonders elegante und fruchtige Grappas mit klaren Aromen.
Wie wird Grappa hergestellt?
1. Trestergewinnung
Nach der Weinpressung bleibt der Trester übrig, der möglichst frisch weiterverarbeitet wird.
2. Gärung
Restzucker im Trester beginnt zu fermentieren, wodurch Alkohol entsteht.
3. Destillation
Der vergorene Trester wird in Kupferbrennblasen destilliert. Dabei werden Vorlauf, Herzstück und Nachlauf getrennt. Nur das Herzstück wird für hochwertigen Grappa verwendet.
4. Reifung
Je nach Grappasorte erfolgt anschließend eine Lagerung im Holzfass.
Wie erkennt man hochwertigen Grappa?
- geschützte Herkunftsbezeichnung „Grappa“
- Angabe der Rebsorte
- Traditionelle Destillerie
- harmonische Alkoholstruktur
Der richtige Grappa-Genuss
Das richtige Glas
Ideal ist ein tulpenförmiges Grappaglas, das die Aromen konzentriert.
Serviertemperatur
- junger Grappa: 10–12 °C
- gereifter Grappa: 16–18 °C
Passende Kombinationen
- dunkle Schokolade
- Espresso
- Desserts
- Zigarren
Fazit: Die faszinierende Vielfalt der Grappasorten
Die Welt der Grappasorten ist erstaunlich vielfältig. Von jungem, klarem Grappa bis zu lange gereiften Premium-Destillaten bietet diese italienische Spezialität eine große Bandbreite an Geschmacksprofilen.
Besonders entscheidend für den Charakter eines Grappas sind Rebsorte, Fasslagerung, Herkunft und Destillationsverfahren. Hochwertige Grappas überzeugen durch komplexe Aromen und eine beeindruckende geschmackliche Tiefe.
Ob Giovane, Affinata, Invecchiata oder Riserva – jede Variante erzählt ein Stück italienischer Brenntradition.


















